Familienromane im Zeitalter der Patchworkfamilie

Wieso stirbt der Familienroman nicht? Unser Familienbild prägen Patchworkfamilie und Homo-Ehe. Romane über Familien sind trotzdem nicht verschwunden und die Familiensaga erobert den Film.

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Familienromane und ihr Inhalt

Familienromane schildern Entwicklungen und Konflikte von Familien. Generationenromane beobachten Familiengeschichte über längere Zeiträume. So thematisiert der Familienroman gesellschaftliche und geschichtliche Themen nebenbei. Meist stellt er bürgerliches oder adeliges Milieu vor, selten das Milieu von Arbeitern. Im deutschsprachigen Raum kam der Familienroman im 18. Jahrhundert auf und blühte vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Praktisch alle interessanten aktuellen gesellschaftlichen Themen lassen sich in Familienromanen behandeln. Das mag der Grund sein, warum dieses Literaturgenre überlebte, obwohl der Familienroman oft totgesagt wurde. Familienromane sind wandlungsfähig und passen sich an. Sie umspannen viele Generationen und helfen uns bei der Erinnerung. In unserer schnelllebigen Zeit hilft diese Erinnerung die Zivilisationsbrüche zu verarbeiten. Damit stiften Familienromane Kultur und zeigen die Unvergänglichkeit von Werten. Daraus erwächst Erinnerungskultur. Auch Verschwiegenes und Verdrängtes kommt ans Licht. Familienromane zeigen geschichtswirkende Mächte auf, die vom Leben der Eltern auf das Leben der Kinder wirken.

Eifersucht, Kampf, Eitelkeit und sexuelle Besitzgier dürfen in keiner spannenden Familiengeschichte fehlen. Ansonsten aber spannt sich der Bogen der Gefühle sehr weit. Von der Enttäuschung, dass man nur den zweitbesten Partner abbekommt, bis zum Blutrausch, der in einem monströsen Blutbad endet. Familienromane brauchen ein Mindestmaß an Spannung.

Familienromane erleben eine Renaissance

Die einen Familienromane schildern den Untergang einer Familie. Die anderen zeigen eine eher positive Familiendynamik auf. In beiden Fällen legen Familienromane Lebensprägendes von Generationen offen. Sie rekonstruieren die Vergangenheit und zeigen, wie der Einzelne in das Geschehen involviert ist. Dabei weiß der Familienroman, dass er sich kein Urteil über die Geschichte anmaßen und keine Schuld zuweisen kann. Seine Funktion ist nur die Spiegelung der großen Geschichte in der kleinen Familiengeschichte.

Weil traditionelle Familienband heute bedroht sind, finden Familienromane in der zeitgenössischen Literatur große Beachtung. Familienromane müssen nicht glücklich enden. Im Gegenteil: Der Blick auf unglückliche Familien versöhnt mit der eigenen Situation als Single oder Mitglied einer Patchworkfamilie. Und Familienromane, die zeigen, wie sich die Familie in den letzten Jahrzehnten verwandelte, trösten. Auch Verletzungen der Vergangenheit arbeitet die Familienliteratur auf. Das alles verhilft dem Familienroman zu seiner heutigen Wiedergeburt.