Rowan Atkinson

Aber während hierzulande die meisten Rowan Atkinson noch immer mit seinem Alter Ego "Mr. Bean" gleichsetzen, ist der mimische Ausnahme-Athlet in seiner Heimat Großbritannien schon seit den späten 70er-Jahren ein Star - und dabei nicht auf den wortkargen Grimassentölpel beschränkt. Mit einer Nebenrolle im Bond-Abenteuer "Sag niemals nie" hatte er 1983 seinen ersten Auftritt auf der großen Leinwand.

In England war er zu dieser Zeit bereits eine große Nummer, Sprecher der alternativen BBC-Spaßnachrichten "Not the Nine O'Clock News" und Star der TV-Show "Canned Laughter". Als Deutschland Anfang der 90er erstmals von Atkinson Notiz nahm, begann in England bereits dessen zweite Karriere als "Mr. Bean".

Klassen-Clown mit Charakterkopf

Keine schlechte Entwicklung für jemanden, der sich selbst als ziemlich langweilig einstuft und der zu der Spaßmacherei gekommen ist wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich sollte Rowan Sebastian Atkinson, Sohn braver Mittelstandsbürger aus dem Industriestädtchen Newcastle, Elektroingenieur werden. Dann aber kam ihm seine lange Nase dazwischen.

Mit einem Charakterkopf wie dem seinen hatte es der am 6. Januar 1955 geborene, jüngste von drei Brüdern, nicht leicht in der Schule. Spitznamen wie "Dopie", "Zoonie" oder "Moonman" waren an der Tagesordnung. Klein-Rowan aber ließ sich davon nicht unterkriegen, sondern nahm die ihm zugedachte, komische Rolle an.

Lob vom großen Meister

Als Jugendlicher unterhielt Atkinson Freunde und Nachbarschaft mit Parodien und Interpretationen bekannter Comedy-Stars, insbesondere seines Landsmanns John Cleese. Auch der Franzose Jacques Tati und Buster Keaton hatten es ihm angetan.

Sein Physikstudium in Oxford hielt Rowan nur zwei Jahre durch. Im Kommilitonen und späteren "Black Adder"-Co-Produzenten Richard Curtis fand er einen gleichgesinnten Spaßvogel. Die beiden taten sich zusammen und eroberten nach einigen Bühnenshows 1978 das bedeutende Edinburgh Fringe Festival.

Vorbild John Cleese ließ daraufhin ein großes Lob vom Stapel: "Rowan Atkinson eroberte die Leute mit Material, für dessen Entsorgung ich Geld bezahlt hätte."

Mr. Bean erobert Hollywood

Seit den 90ern zog es den verheirateten Vater von zwei Kindern vermehrt weg vom Fernsehschirm hin zur großen Leinwand. Schon immer hatte Atkinson Rollen in kleineren Filmen gesucht und gefunden, doch der Weltruhm seiner Comedy-Serie "Mr. Bean" ließ sogar Hollywood aufhorchen.

Einer Kostprobe in "Hot Shots 2" folgte der Auftritt als Priester in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", anschließend durfte Atkinson den "Zazu" im "König der Löwen" sprechen. Jetzt war endlich die Zeit reif für "Bean", den Kinofilm. Binnen weniger Wochen hatte der Brite den Mythos zerstört, dass europäische Filme in Amerika keine Säcke voller Geld einspielen könnten.

Vom Spion zum Seelentröster

Seither standen die Türen für den Komiker weit offen, man sah ihn in Filmen wie "Maybe Baby", "Scooby-Doo" und "Rat Race - Der nackte Wahnsinn". 2003 war er - der Agentenfilmwelle sei Dank - in der Komödie "Johnny English" zu sehen, in der er als unfreiwilliger Geheimagent in gewohnt katastrophaler Manier die Ehre der britischen Krone zu retten versucht.

Ein Auftritt im romantischen Ensemblefilm "Tatsächlich ... Liebe" folgte, ehe Atkinson mit "Mord im Pfarrhaus" endlich wieder eine Hauptrolle an Land zog. In der Krimikomödie mimte er einen Vikar, der sich zwar rührend um seine Gemeinde kümmert, dabei aber seine Frau Gloria vernachlässigt.

Rückzug bei Espresso

Mit "Mr. Bean macht Ferien" schlüpft Atkinson nun ein weiteres Mal in die Rolle, die ihm internationalen Ruhm eingebracht hat. Um sich vor dem Rummel um seine Person zu schützen, lässt er sich einiges einfallen: In Italien etwa, seinem bevorzugten Urlaubsland, gab es damals auf seinen Wunsch hin ein Startverbot für "Mr. Bean - Der Film".

Und so bleibt wenigstens ein Ort auf der Welt, wo der Star seinen Espresso schlürfen kann, ohne dass jemand ruft: "Hey Bean, zieh mal eine Grimasse!"

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