Ridley Scott

Seine Filme sind packende visuelle Erlebnisse, für die er sein brillantes Können als perfektionistischer Künstler mit einem wesentlichen Blick für schwelgerischen Aufwand, kameratechnische Glanzleistungen, Montage und Tricktechnik einsetzt, ohne dass diese zum Selbstzweck würden, sondern vor allem neue Bildwelten schaffen wollen. Dabei läuft der Einwand des Bombastischen ebenso daneben wie der Vorwurf des "Riefenstahlismus", denn der in der Werbung (über 2000 Spots) geschulte Ridley Scott ist zumindest mit einigen seiner Filme ("Alien", "Blade Runner", "Thelma und Louise", "1492", "Gladiator") ein Visionär aus eigenem Antrieb.

Der Brite Ridley Scott arbeitete für die BBC, inszenierte Serienfolgen und debütierte 1977 mit der Joseph-Conrad-Verfilmung "Die Duellisten" - ein Film, der zu Unrecht im Schatten von Stanley Kubricks kurz vorher entstandenem Historienfilm "Barry Lyndon" steht. Mit "Alien" und "Blade Runner" gelangen Scott hintereinander zwei Meisterwerke: In "Alien" werden Raumfahrer mit einer grauenhaften biometallischen Lebensform konfrontiert, in "Blade Runner", der einen Rang wie Fritz Langs "Metropolis" einnimmt, jagt ein gefühlloser Kopfgeldjäger (Harrison Ford) wie in einem Film noir Replikanten, die wie Menschen aussehen, ihnen an Intelligenz überlegen sind und deren Anführer (Rutger Hauer) ein tragischer Held wird.

Scotts Polizeifilme ("Der Mann im Hintergrund", "Black Rain") ästhetisieren das Genre und thematisieren erneut die übervölkerte Großstadt als Moloch. "Thelma und Louise" wurde zum feministischen Kultfilm der 1990er. "1492", mit Gérard Depardieu als Kolumbus, pünktlich zur 500-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas aufgeführt, zeigt den Seefahrer als Fortschrittsdenker, Rebell und Genie inmitten von Sklaverei und an einem von der Kirche beherrschten Hof. Dem kommerziell wenig erfolgreichen Hochseedrama "White Squall" und dem Militärdrama "Die Akte Jane", in dem Demi Moore einen weiblichen Marine spielte, folgte mit "Gladiator", Scotts größter kommerzieller Erfolg, ein Monumentalfilm, der das naive "Sandalenkino" an Düsternis und Härte übertraf und erneut Scotts Können als Bildregisseur bewies. Dies bestätigte auch sein schonungsloses und beeindruckend realistisches Kriegsdrama "Black Hawk Down", das nach einem Tatsachenbericht den als Routine eingeschätzten US-Militäreinsatz in Somalia 1993, der sich zur Tragödie auswuchs, nachstellt und 2002 mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde. 2001 inszenierte Scott außerdem das "Schweigen der Lämmer"-Sequel "Hannibal".

Nachdem Scott zehn Jahre zuvor bereits einen "Director's Cut" von "Blade Runner" präsentiert hatte, entstand 2003 zum 25-jährigen Jubiläum von "Alien" auch eine solche erweiterte Fassung des Science-Fiction-Klassikers. Im gleichen Jahr überraschte Scott außerdem bei den Filmfestspielen in Venedig mit der zwar unspektakulären, aber umso unterhaltsameren Gauner-Komödie "Tricks", in der Nicolas Cage einen neurotischen Trickbetrüger mimt. Mit dem in Übersee und Europa sehr erfolgreichen "Königreich der Himmel" schaffte Scott nach "Gladiator" erneut einen kassenträchtigen Ausflug ins Historien-Genre.

Er produzierte "In den Schuhen meiner Schwester" mit Cameron Diaz und "Domino - Live Fast, Die Young" mit Keira Knightley als das ehemalige Topmodel. 2006 versuchte er sich mit "Ein gutes Jahr" im Genre der romantischen Komödie. Ein Jahr später spielte Russell Crowe in "American Gangster" einen Cop, der sich Denzel Washington bis zum bitteren Ende duelliert. 2008 wurde seine Regiearbeit für den Golden Globe nominiert und er gewann im selben Jahr den Audience Award. Leonardo DiCaprio übernahm in seinem nächsten Film, dem Agententhriller "Der Mann, der niemals lebte", den schwierigen Part eines CIA-Agenten, der einen Terroristen enttarnen soll und dafür nach Jordanien und in den Irak reist.

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