Kate Winslet

In "Vergiss mein nicht!" wehrt sich Carrey aus Liebe gegen eine Gehirnwäsche. So eine Wirkung hat die Frau, die früher als "Walfischspeck" verspottet wurde.

"Wenn man als Kind dick war, sieht man sich immer ein bisschen als schwarzes Schaf. Heute bin ich völlig zufrieden mit meinem Körper. Ich fühle mich nicht mehr genötigt, mich persönlich für einen richtig weiblichen Körper einzusetzen".

Genau das aber hat die sinnliche und kurvige Schauspielerin in den ersten Jahren ihrer Karriere getan. Kate kämpfte gegen die Kaloriendiktatur, der sich Hollywoods Hungerhaken fügen müssen, und gegen den Retuschenwahn der Hochglanzmagazine, dem auch sie zum Opfer fiel.

"Für 'Titanic' musste ich mich abhungern und das war einfach nicht ich", protestiert Winslet. "Ich bin kein Zweig und ich weigere mich, einer zu sein."

In der Redroof Theatre School, die sie seit dem elften Lebensjahr besuchte, wurde das pummelige Mädchen gutbürgerlicher bescheidener Eltern von reichen Gören gehänselt. Doch neun Jahre später hatte sich das Blatt gewendet. Gerne erzählt sie die Anekdote, wie sie in einem Londoner Kaufhaus eine ehemalige Mitschülerin mit gescheiterten Modelambitionen entdeckte und mit folgenden Worten niederstreckte: "Ich wollte mich nur bedanken, dass du so ein Miststück gewesen bist. Denn das hat mich um so vieles stärker gemacht."

Hier zeigt sich die Kriegerin, die den Härtetest mit "Titanic"-Regisseur James Cameron bestand, die nach wenigen Theater- und TV-Rollen für "Heavenly Creatures" besetzt wurde, weil ihre Intensität die Konkurrenz verblassen ließ. In Peter Jacksons meisterlichem Muttermord-Drama wurde sie von ihrer Freundin wie ein Filmstar vergöttert. Geradezu prophetisch, denn genau das sollte sie auch werden.

Kate und Korsett wurden enge Freunde in Kostümfilmen wie "Sinn und Sinnlichkeit", in der herzzerreißenden Tragödie "Herzen in Aufruhr", "Hamlet", auf der oscarprämierten "Titanic" und schließlich auch in "Wenn Träume fliegen lernen". Darin inspiriert sie Johnny Depp, "Peter Pan" zu schreiben.

Wie Emma Thompson, mit der sie "Sinn und Sinnlichkeit" und vieles mehr gemeinsam hat, trägt Winslet Künstlerblut in sich. Ihre Eltern spielten am Theater, ihre Schwestern Anna und Beth tun es noch heute, ihre Großeltern leiteten sogar eines in Kates Heimatort auf halbem Weg zwischen Oxford und London. "In meiner Kindheit gab es kein Angstgefühl", erklärt Kate die Quelle ihrer schöpferischen Kraft. "Wenn man am Beginn seines Lebens selbst seinen Weg finden darf, fördert dies das Selbstvertrauen." Ein Grund, warum sich Kate in vielen ihrer Filme furchtlos entblätterte.

Mit 15 verliebte sich das couragierte Mädchen in den 27-jährigen Stephen Tredre und blieb mit dem Segen ihrer toleranten Eltern dreieinhalb Jahre mit dem Schauspieler zusammen, der 1997 an Krebs starb.

Ihre zweite große Liebe war Jim Threapleton, dritter Regieassistent bei ihrem charmanten Indie-Drama "Marrakesch". Er wurde Vater ihrer Tochter Mia, als Ehemann aber abgelöst von Sam Mendes. Der Regisseur von "American Beauty" stammt geradezu schicksalhaft wie Kate aus der Kleinstadt Reading. Von ihm hat die englische Rose mit dem Pfirsichteint den Sohn Joe.

Ihren Film "Zeiten des Aufruhrs" drehte Kate unter der Regie ihres Ehemanns. Für das Liebesdrama stand die 33-Jährige erneut mit ihrem "Titanic"-Kollegen Leonardo DiCaprio vor der Kamera. Darin spielt Winslet, wie bereits in "Little Children", eine gelangweilte Ehefrau. Für das Drama bekam sie ihre fünfte Oscar-Nominierung - und hoffte wieder vergeblich. Zumindest hält Kate aber den Rekord für die meisten Nominierungen in ihrer Altersklasse.

Mit "Der Vorleser" hat Kate nun endlich die begehrte Trophäe erhalten - trotz oder gerade wegen ihrer kurvigen Figur und ihrer großen, verhassten Füße.

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