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Astrid, DVD (DVD)

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Astrid will sich nichts vorschreiben lasssen und hat ihren eigenen Kopf. Als sie sich in ihren verheirateten Chef verliebt und schwanger wird, verlässt sie ihr Zuhause. So schwer die Zeit ist, ermöglicht sie der jungen Autorin, ein...
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    18 von 33 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    MaRe, 19.06.2019 bei Weltbild bewertet

    „Astrid“ ist eine dänisch-schwedische Kinoproduktion der dänischen Regisseurin Pernille Fischer Christensen (Jahrgang 1969, z.B. „Eine Familie“ = „En familie“ - 2010) aus dem Jahr 2018. Von wahren Begebenheiten inspiriert erzählt der Film, der im Original „Unga Astrid“, also „Junge Astrid“ heißt und zu dem der dänische Schriftsteller Kim Fupz Aakeson („Einer nach dem anderen“- 2014) das Drehbuch verfasst hat, motivisch von Astrid Ericsson, die später als Astrid Lindgren Berühmtheit erlangen sollte, und ihren wechselvollen Jahren als Heranwachsende.

    -Es folgt ein kurzer Abstecher zur Person Lindgren: Astrid Anna Emilia Lindgren, bekannt als Astrid Lindgren, geborene Ericsson, wurde am 14. November 1907 auf dem Hof Näs bei Vimmerby geboren und verstarb am 28. Januar 2002 in Stockholm. Die schwedische Schriftstellerin gehörte mit einer Gesamtauflage von etwa 165 Millionen Büchern (Stand: Februar 2019) zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren bzw. -autorinnen der Welt. Sie erdachte Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Madita, Mio, Kalle Blomquist, Karlsson vom Dach, die Kinder aus Bullerbü und viele andere Figuren. Ihre Werke sind in aller Welt und in 106 verschiedenen Sprachen erschienen, womit Lindgren zu den meistübersetzten Autoren und Autorinnen überhaupt zählt. In Deutschland ist sie mit einer Gesamtauflage von weit über 20 Millionen Exemplaren erfolgreich wie kaum ein/e andere/r Kinder- und Jugendbuchautor/in.-

    Zum Filminhalt: Die 16-jährige Astrid lebt glücklich, aber geistig etwas unterfordert mit ihren Eltern Samuel August Ericsson (Magnus Krepper) und Hanna Ericsson, geborene Jonsson (Maria Bonnevie), und drei Geschwistern, ihrem älteren Bruder Gunnar und ihren jüngeren Schwestern Stina und Ingegerd, in Vimmerby in Småland. Den Lebensunterhalt bestreitet die Familie als Pächter des Pfarrhofs der protestantischen Gemeinde samt der dazugehörigen Felder, die sie bestellen. Astrid wird gemäß den dort herrschenden stockkonservativen Regeln streng und bibelfest erzogen, doch ihre Eltern sind nicht verbohrt oder engstirnig. Sie wollen tatsächlich das Beste für ihre Kinder und erkennen das Potenzial, das in der fantasievoll-verspielten, manchmal wilden Art ihrer Tochter und ihren „verrückten Gedanken“ schlummert. Daher fördern sie Astrids Schreibtalent, das sich schon früh zeigte, indem sie ihr ein Volontariat bei der örtlichen Zeitung ermöglichen. Als Astrid von dem viel älteren, verheirateten Eigentümer und Chefredakteur dieser Zeitung, Reinhold Blomberg (Henrik Rafaelsen), schwanger wird und ihr Zuhause verlassen muss, beginnt für sie eine Zeit voller großer Herausforderungen, Anstrengungen, schmerzhafter Entbehrungen und Zweifel. Doch gleichzeitig ergibt sich daraus die Chance, ein von ihr selbst bestimmtes Leben zu führen…

    „Astrid“ ist weniger ein Teil-Biopic über Astrid Lindgren, vielmehr ein enorm gefühlsbetontes, jedoch nicht kitschiges, Drama über Schwanger- und Mutterschaft in jungen Jahren und den damit in den 1920er-Jahren einhergehenden gesellschaftlich bedingten, massiven Probleme in Schweden (aber nicht nur dort) sowie über den Wunsch und das tatkräftige Streben nach Freiheit (ein Gefühl, das Astrid beim Schreiben empfand) und Selbstständigkeit einer jungen Frau anhand Lindgrens Biografie.

    Der Film beginnt damit, dass die betagte, weltweit bekannte und geschätzte Astrid Lindgren (Maria Fahl Vikander) am Schreibtisch ihrer Wohnung sitzend Glückwunschkarten ihrer kindlichen Fans zum Geburtstag öffnet und durchliest. Dann erfolgt die Rückblende auf die Geschichte der „jungen Astrid“, ihren Werdegang, die klassisch-konservativ angelegt und in überwiegend grau-beigen Farben gehalten ist und doch wegen der vielfältigen Musikuntermalung und der wunderbar komponierten Bilder (Erik Molberg Hansen) nie trist wird. Über eine Off-Stimme, die aus den Briefen vorliest und über einzelne Szenen der Rückschau gelegt ist, wird ein Bezug zu Themen und Figuren ihrer Bücher hergestellt, angeregt, dass vielleicht diese Erfahrung oder jenes Gefühl aus der von der jungen Astrid durchlebten Situation Eingang in ihre Bücher gefunden haben könnte und darüber hinaus verdeutlicht, welche immense Bedeutung, welche Vorbildfunktion Lindgren und den von ihr geschaffenen Charakteren zukommt. Insofern ist „Astrid“ eine ungewöhnliche, persönliche, wenn vielleicht auch etwas steif und formalistisch gestaltete Hommage an die Schriftstellerin.

    Alba August, die 1993 geborene Tochter des dänischen Regisseurs Bille August („Nachtzug nach Lissabon“ („Night Train to Lisbon“) - 2013, „Silent Heart – Mein Leben gehört mir“ („Stille hjerte“) - 2014) und der schwedischen Schauspielerin und Regisseurin Pernilla August (u.a. „Die Erbschaft 3), spielte hier ihre erste große Kinorolle und zieht als Astrid mit ihrer Ausstrahlung in den Bann: Sie verleiht ihr ein aufgewecktes, heiteres, angenehm und durchgängig, auch in extrem schweren Momenten positives, ein insgesamt mitreißendes Wesen, kombiniert eine wohltuend kreativ-bockige Art mit unstillbar erscheinendem, neugierigen Lebenshunger, Verletzlichkeit und Unbekümmertheit.

    Fazit: „Astrid“ ist eine dichte Achterbahnfahrt der Gefühle für die Protagonistin und das Publikum, die mit vielen subtilen Hinweisen (auf später entstehende Bücher, Figuren, Astrids Beweggründe fürs Schreiben oder das zukünftige Privatleben) versehen ist, die vom Zuschauer entschlüsselt werden können / wollen, geht ans Herz und schmerzt stellenweise sehr. Der Film erfasst und überträgt aber durch seinen Aufbau auch immer wieder die große Fantasie und die unbändige Lust am Leben, die sich später in den Geschichten Astrid Lindgrens wiederfinden. Dazu macht er klar, dass Astrid Lindgren, geborene Ericsson eine moderne junge Frau war, die sich gegen die Widerstände und Konventionen der Gesellschaft auflehnte und gegen die Ansichten ihrer Eltern rebellierte, um eigenständig zu werden, und dabei doch den Wert der Familie, deren Wärme und Liebe zu schätzen lernte / wusste. Er enthält die aufbauende Botschaft, dass auch unter erschwerten oder komplizierten (Start)Bedingungen Glück gedeihen kann, man glücklich sein, werden und machen kann – Du musst nur: „Springen, Du musst springen…“, so fasst es das Lied zum Abspann treffend zusammen!

    PS: Die FSK-Einstufung „ab 6 Jahren“ halte ich wegen der Thematik und mancher Darstellung für zu früh.

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