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Stadt ohne Seele

Wien 1938
 
 
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Im Wiener März des Jahres 1938 zeigte sich deutlich wie nie zuvor die Natur des NS-Regimes, das sich in kurzer Zeit extrem radikalisierte. Manfred Flügge schildert packend und mit vielen neuen Details die Vorgeschichte des...
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Im Wiener März des Jahres 1938 zeigte sich deutlich wie nie zuvor die Natur des NS-Regimes, das sich in kurzer Zeit extrem radikalisierte. Manfred Flügge schildert packend und mit vielen neuen Details die Vorgeschichte des...
Kommentar zu "Stadt ohne Seele"
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    1 von 2 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Sigrid K., 03.03.2018

    Österreich gibt es nicht mehr

    Gerade jetzt – März 2018 – wird jeden Tag auch medial an das Jahr 1938 gedacht, an eine Zeit, die hoffentlich nie in Vergessenheit gerät und sich nicht wiederholt. Doch können wir behaupten, aus der Vergangenheit gelernt zu haben, sind wir 80 Jahre später umsichtiger und vorausschauender?

    Im März des Jahres 1938 zeigte sich der Beginn einer Ära eines Regimes, das für viele Jahre die Welt in Atem hielt. Innerhalb kürzester Zeit radikalisierten sich diverse Gruppierungen, deren Ziel es war, Macht auszureizen, die Bevölkerung – vorzugsweise Juden – ihrer Autorität zu unterjochen.

    Der Autor Manfred Flügge schreibt über ein Wien ohne Seele und versucht zu analysieren, wie der Anschluss an das Deutsche Reich vonstattenging, welche Auswirkungen diese Annexion hatte und wie sich das innerösterreichische Leben dadurch änderte. Er lässt auch den historischen Hintergrund (das Jahrhunderte dauernde Regime der Habsburger) nicht außer Acht, hinterfragt den Einfluss der Kirche bevor er das Leben (und die Flucht oder Verhaftung) vieler bekannter Persönlichkeiten analysiert.

    Wien zählte zu dieser Zeit beinahe 200.000 Juden und war damit „Spitzenreiter“ im Deutschen Reich, viele siedelten sich während der Habsburgerzeit an, viele aufgrund des ersten Weltkrieges. Durch ihren Hang zu Kunst und Kultur wurde Wien zu einer lebendigen Stadt. Der immer weiter fortschreitende Antisemitismus führte in eine Katastrophe, die wir heute alle zumindest aus Erzählungen kennen. Flügge analysiert hier sehr detailliert die Intoleranz, den Hass auf jüdische Menschen, die bereits lange vor 1938 gefährdet waren.

    „Sigmund Freud verließ Wien am Samstag, dem 4. Juni 1938. Das goldene Wiener Herz hatte jeden Glanz verloren, als der Vater der modernen Seelenkunde den Weg ins Exil antrat.“

    Obwohl mit Wien eng verbunden, musste Freud letztendlich doch den Weg ins Exil nehmen, um sein Leben und das seiner Familie zu retten. Als seine Schriften verbrannt wurden, wusste er bereits um der Gefahr, doch er verdrängte sie lange Zeit – wie wohl so viel andere auch.

    Doch nicht nur Freud kommt in den Fokus des Autors, auch Namen wie Viktor Hess, Erwin Schrödinger, Otto Loewi, Hans Weigel, Bruno Kreisky und viele andere – sie alle hatten keine Zukunft mehr in Österreich, wurden nicht mehr geduldet und mussten weg aus Wien.

    Flügge schreibt flüssig und eindrucksvoll. Er spannt einen weiten Bogen über ein Jahr, das noch immer nachhallt obwohl wir heute nicht mehr nachvollziehen können, warum welche Handlungen wie gesetzt wurden. Das Buch ist auf jeden Fall ein wichtiges Zeitdokument und fasst die Auslöschung Österreichs sehr gut zusammen.

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