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Runa

Roman
 
 
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"Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben."

Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an;...
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Kommentare zu "Runa"
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  • 4 Sterne

    8 von 9 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Sandra S., 23.10.2015 bei Weltbild bewertet

    ~Erster Satz~

    Marguerite Desens hatte im hofeigenen Stall ihre Unschuld, ihr Kind und ihr Leben verloren.


    ~Meine Meinung~

    Schon von Weitem fiel mir das auffällige Cover dieseses Buches ins Auge, als ich so durch die Gänge der Frankfurter Buchmesse lief. Nachdem ich es in der Hand hielt und der Klappentext mir ebenfalls zusagte, war klar, dass ich es lesen musste. Ohne viele Erwartungen begann ich einige Tage später damit es zu lesen. Das Buch besteht aus sechs Teilen, die jeweils nochmal in kleinere oder größere Abschnitte unterteilt sind, je nach Situation der Person, um die es gerade geht. Es war teilweise etwas verwirrend für mich, da ich manchmal nicht sofort wusste, um welchen der jungen Männer es jetzt gerade in dem Abschnitt geht. Doch am Ende habe ich doch den Durchblick behalten und das Puzzle, das sich Teilchen um Teilchen weiter zusammengesetzt hat, ergab ein ganzes Bild. Was mich ein bisschen gestört hat, waren die französischen Namen und Textzeilen, die ich nicht auszusprechen wusste, bzw. nicht übersetzen konnte. Interessant fand ich, dass ich irgendwann in der zweiten Hälfte des Buches auf die Idee kam, nach den Namen der Charaktere zu googlen. Und siehe da, es gibt bzw. gab sie tatsächlich. Am Ende des Buches gibt es eine Anmerkung der Autorin dazu, dass sie vieles dazu erfunden hat und die Lücken, die in der Recherchearbeit offen blieben mit ihrer eigenen Fantasie gefüllt hat. Dennoch macht es mir den Eindruck, als wäre die Recherchearbeit gut gewesen. Um so mehr beängstigt mich die Vorstellung, dass tatsächlich früher Operationen stattgefunden haben, von denen man vorher nicht wusste, wo sie hinführen würden. Aber irgendwoher müssen die Erkenntnisse der heutigen Medizin ja kommen. Auch die Beschreibung der Behandlungsmethoden der damaligen Zeit sind furchtbar. Man kann sich tatsächlich vorstellen, dass die Menschen damals so getickt haben. Und da ich Bücher mag, die mich zum Nachdenken anregen, gefällt mir dieses Buch sehr gut. Durchgelesen hatte ich es innerhalb von zwei Tagen, was ebenfalls für das Buch spricht. ;)

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  • 4 Sterne

    4 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Claudia W., 13.11.2015 bei Weltbild bewertet

    Paris im 19. Jahrhundert. An einer renommierten Nervenheilanstalt werden psychisch kranke Frauen behandelt. Der Medizinstudent Jori Hell möchte seiner großen Liebe Pauline helfen und endlich promovieren. Als das Mädchen Runa eingeliefert wird, sieht er seine Chance gekommen. Da bei Runa sämtliche Behandlungmethoden des großen Professor Charcot versagen, will Jori sich beweisen. Er plant eine Hirnoperation bei Runa.

    Vera Buck verbindet in ihrem Debüt-Roman den fiktiven Fall von Runa mit historisch belegten Fakten. Die damals aktiven Ärzte waren Koriphäen ihrer Zeit. Die Behandlungsmethoden muten heutzutage unmenschlich und brutal an. Die Frauen wurden als Forschungsobjekte benutzt und im Rahmen von Vorlesungen vor den Augen der Studenten "behandelt". Beim Lesen war ich von den unglaublichen Dingen, die den Frauen angetan waren, schockiert. Man muss dabei aber auch bedenken, dass Männer wie Tourette und Charcot im Dienste der Wissenschaft gehandelt haben und dazu beitrugen, dass die Neurologie heute so weit ist, wie sie ist. Der Autorin gelingt es sehr gut, das in ihrem Roman darzustellen.

    Das Buch fesselt den Leser, insbesondere nachdem Runa in die Klinik eingeliefert wird. Warum redet sie nicht und warum hat sie so einen eigenartigen Blick? Gut hat mir gefallen, dass Jori während des Romans seine Menschlichkeit entdeckt und Runa nicht nur als Mittel zum Zweck betrachtet, sondern sie wirklich heilen will. Aber kann man defekte Teile des Gehirns einfach wegschneiden?

    Das Ende des Romans ist nicht komplett offen, lässt aber Spielraum für eigene Gedanken des Lesers.

    Der Autorin ist ein beeindruckendes Erstlingswerk gelungen.

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    ja nein
  • 4 Sterne

    6 von 11 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Carmen D., 21.10.2015 bei Weltbild bewertet

    >>Runa<< von Vera Buck

    Da ist Jori ( Johann Richard Hell ), der als junger Schweizer Medizinstudent Ende des 19. Jahrhunderts in der Salpêtrière in Paris arbeitet, die offiziell ein Altershospitz für Frauen ist. Es sind dort zwar auch wirklich ältere Frauen untergebracht, aber die meisten dort sind Kinder und jüngere Frauen, die als geisteskrank diagnostiziert wurden. Dr. Jean-Marie Charcot, der berühmte Leiter, hält dort regelmäßig Vorträge und macht bizarre Veranstaltungen mit seinen Patientinnen.

    Jori bewundert seinen Chef über alles und möchte gerne mal in seine Fußstapfen treten, wenn er endlich seine Doktorarbeit geschrieben und als Arzt zugelassen wird. Diese Bewunderung bröckelt aber mit der Zeit ganz schön ein, die Frauen die dort wie Jahrmarktsattraktionen ihrem Publikum vorgeführt werden, die tun in zunehmend immer mehr leid. Er zweifelt langsam an den Behandlungsmethoden. Das einzige was ihn antreibt, ist die Liebe zu Pauline, die leider auch in solch einer Klinik ist und zunehmend daran zerbricht.

    Dieser Roman geht wirklich unter die Haut, er fasziniert und erschreckt im gleichen Moment. Vera Buck hat toll recherchiert und geschickt wahre Personen und Begebenheiten mit einer fiktionalen Geschichte verknüpft. Das Buch ist authentisch und hat mich mit ins Salpêtrière nach Paris genommen. Mitten drin in einer Zeit wo die Ärzte von einer Heilung der kranken Menschen sehr weit entfernt waren und viele Behandlungsmethoden einfach nur Unmenschlich und Grausam waren. Beim lesen selbst, ist man wirklich froh, sowas nicht selbst erleben zu müssen. Von einigen Tierversuchen im Rahmen der Forschung ist auch zu lesen und vieles war für mich als Tierfreund fast am Rande des erträglichen und ich war froh wenn ich wieder mit etwas anderen abgelenkt wurde.

    So toll das Buch ist, durch die Naivität von Jori, habe ich einige Längen gespürt und es ging manchmal einfach in der Hauptgeschichte nichts vorwärts. Mir hätte auch Gefallen ein bisschen was darüber zu lesen, wie sich die Frauen gefühlt haben, oder besser gesagt was sie wohl darüber gedacht haben. Dadurch, das man darüber so gut wie nichts erfahren hat, blieben sie wirklich ein bisschen das Material, wie sie auch in der Salpêtrière genannt wurden, wenn man sie einfach für Versuche missbraucht hat und dann entsorgt wurden.

    Die Charaktere hat Vera Buck sehr detailliert und lebensnah mit all ihren Eigenarten in Szene gesetzt. Das Buch ist bis auf ein paar stellen flüssig zu lesen und die Spannung zieht sich mal mehr und mal weniger durch das ganze Buch.

    Der Epilog bildet einen gelungenen Abschluss, auch wenn mir doch zu viel offen bleibt.Auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung, ein interessantes, erschreckendes und fesselndes Buch, über die Schrecken einer Geisteskrankheit, die oft gar keine war.

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