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Literarisches
Best-Nr. 5032025
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Von einem kleinen Jungen, der aus Versehen das Ende der Welt einläutet Er ist erst sechs Jahre alt, weiß aber schon genau, was er einmal werden will: Prediger wie sein Papa. Und deshalb erbettelt er sich einen seriösen schwarzen Anzug und verfasst auf seiner Schreibmaschine Predigten, am liebsten Begräbnisreden auf noch Lebende. Doch dann kommt der Tag, an dem er aus Versehen eines der Zehn Gebote bricht...
302 S., 14 x 21 cm, geb., 2008.
Blessing Verlag
Rezension zu: Sieben wunderbare Jahre
"Der Roman schildert schwärmerische und aktivistische Religiosität, er vertieft sich in diese Welt jedoch ohne jenen gequälten, grüblerischen oder auch distanzierten Impetus, der in Schweden von Ingmar Bergman bis zu Per Olov Enquist Tradition hat. Vielmehr verfügt Sahlberg über einen erstaunlichen Erzählwitz und eine Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht, und er schreibt mit einer tiefen Sympathie zu seinen Figuren." Neue Zürcher Zeitung
Leseprobe: Sieben wunderbare Jahre
Papa hat erzählt, ich sei in einer Trevira-Hose zur Welt gekommen, mit einem Jägerhut auf dem Kopf und der Nabelschnur in einem Schlipsknoten um den Hals. Als ich fragte, ob es ein französischer oder ein gewöhnlicher gerader gewesen sei, blieb er mitten auf dem Gehsteig stehen und rief mit gespieltem Erstaunen aus: "Französisch zu einem Jägerhut!"
Er stellte sich auf die Zehenspitzen, hob die Schultern und zog die Augenbrauen hoch. Es war einer dieser Tage, an denen er einfach
...
immer höher stieg - wie ein Ballon.
"Geschmacklos!"
Papa sah so lustig aus, wie er da auf und nieder schwankte, dass eine Dame mit zwei weißen Pudeln sich abwenden und ein wenig in die Hand kichern musste.
Er war wie ein Bogen, der sich im Lauf der Woche langsam spannte. Schon am nächsten Tag, einem Dienstag, würde er anfangen, über seine neue Predigt nachzudenken. Von Mittwoch an würde er zielgerichtet und gespannt sein: eingeschlossen in einen Kreis aus aufgestauter Kraft, die all seine Konzentration und Willensstärke forderte. Von Samstagnachmittag an war nicht mehr mit ihm zu reden. Erst am Sonntag konnte er den Griff lockern und den Pfeil gehen lassen.
Aber heute war Predigermontag, und Papa hatte frei. Wir waren auf dem Weg zur Buchhandlung, um ein neues Farbband für seine Schreibmaschine zu kaufen. Ich tat mein Bestes, um nicht über seine verrückten Einfälle zu lachen. Wenn ich auch nur ein bisschen lachte, würde er sogleich seinen Leichtsinn verurteilen und zu früh anfangen, sich anzuspannen.
Damals, ich war noch nicht geboren, wohnten meine Eltern in einer Einzimmerwohnung mit Kochnische. Wie üblich hatte Papa bis spätabends über einer Predigt gesessen. Als er fertig war, bestrich er sich ein Brot mit Butter, trank ein Glas Milch und kroch zu Mama ins Bett. Sie hatte sich an das Klappern seiner Schreibmaschine gewöhnt und war längst eingeschlafen.
Papa erwachte mitten in der Nacht. Bevor er fragen konnte, was los war, hörte er ein knatterndes Geräusch. Erst dachte er, es käme von den Nachbarn. Es klang wie das verspätete Echo seiner eigenen Schreibmaschine. Als hätte er einen Kollegen Wand an Wand. Dann erkannte er, dass es aus Mamas Bauch kam.
Scherzte sie mit ihm? Nein, sie schlief.
Er legte das Ohr an ihren Bauch. Und tatsächlich, unter ihrer weißen Haut schien es leise, aber doch hartnäckig zu klappern. Es wurde nur ab und zu durch das kleine Pling unterbrochen, das entsteht, wenn man die Zeile wechselt.
Sein erster Gedanke war, Mama zu wecken und sie zu bitten, sich auf die Seite zu drehen. Wie man es tut, wenn jemand schnarcht. Aber er überlegte es sich anders. Er wollte sie nicht beunruhigen. Dann verbrachte er selbst die ganze Nacht auf diese Weise, das Ohr an ihren Bauch gedrückt, und lauschte dem beständigen Klappern und Zeilenwechselpling. Zuerst war er vor allem erstaunt. Aber nach und nach, je weiter die Nacht fortschritt, wurde er immer glücklicher. Als es Sonntagmorgen wurde, war er sich sicher: Da war ein Kollege unterwegs!
So plauderte Papa den ganzen Weg die Kungsgata hinunter, bis zur Buchhandlung am Markt. Dort schauten wir uns wie gewöhnlich die Statue von Carl Wilhelm Scheele an, der die Limonade erfunden hatte. Dann blätterten wir in einer Zeitschrift mit Bildern von Dag Hammarskjöld, der Generalsekretär der UNO war. Ein paar Mitglieder von Papas Gemeinde hatten den Verdacht geäußert, er sei der Antichrist. Ich fand, wir sollten die Zeitschrift trotzdem kaufen. Aber Papa wollte ungern mit einer Illustrierten unter dem Arm in der Stadt gesehen werden. Er fand, ich solle stattdessen bei Svenssons Livs vorbeigehen. Viola an der Kasse würde mich bestimmt hineinschauen lassen, wenn ich versprach, vorsichtig zu sein.
Schließlich kauften wir das Farbband und begannen heimwärts zu gehen.
Es war ein klarer, herrlicher Tag. Ausnahmsweise roch es nicht sauer vom Schwefel aus der Kunstdüngerfabrik. Die Bäckerei roch nach frischem Brot. Das Fischgeschäft nach Fisch. Das Käsegeschäft nach Käse. Aber als wir am Ende der Kungsgata angelangt waren und die Filadelfia-Kirche in unser Blickfeld geriet, nahm Papa plötzlich das meiste zurück. Beim Anblick der weißen Fassade oben auf der Anhöhe veränderte er die Geschichte wieder. Diesmal hatte er nicht einmal dabei sein dürfen, als ich auf die Welt kam. Stattdessen musste er brav durch ein Fenster schauen, als die Hebamme mich brachte und hochhielt. Dann gingen wir schweigend weiter, bis die Filadelfia aus dem Blickfeld verschwunden war. Wir waren an der Schneiderei vorbeigegangen und am Kleinen Wald angekommen. Es fühlte sich an, als sei es schon Dienstag oder Mittwoch geworden.
Da sagte Papa plötzlich: "Die Hose und den Hut hatten sie abgenommen, habe ich das schon gesagt? Den Schlipsknoten haben sie sofort gelockert, da er so stramm saß. Du bist wie ein kleiner Propeller herumgesurrt und hättest dich um Haaresbreite selbst stranguliert."
"Kann man das?"
Zuerst dachte ich, er hätte zu seiner Montagslaune zurückgefunden, aber seine Stimme klang noch immer gequält und heiser, als er antwortete: "Sich selbst strangulieren? Das kann man schon!"
Wir bogen in den Nyckelbergsväg ein, während Papa seine Fähigkeit bedauerte, sich an Dinge zu erinnern, die nicht geschehen waren.
"Man kann nur hoffen, dass du diese unglückselige Gabe nicht geerbt hast."
Aber das hatte ich wohl, denn in der letzten Zeit hatte ich vor meinem inneren Auge einen rabenschwarzen Mann mit gefeilten Zähnen gesehen, der in unserer Küche saß und Hafergrütze aß.
"Was bedeutet >travaj
Autoren-Porträt von Göran Sahlberg:
Göran Sahlberg, geboren 1954, wohnt in Vintrosa in der schwedischen Provinz Närke. Er promovierte im Fach Philosophie und lehrt heute Göran Sahlberg, Jahrgang 1954, wohnt in Vintrosa in der schwedischen Provinz Närke. Er promovierte im Fach Philosophie und lehrt heute Religionspsychologie. Nebenbei arbeitet er als freier Journalist für verschiedene schwedische Kulturzeitschriften, gibt Anthologien heraus, verfasst Kurzgeschichten und Opernlibretti.
In der Wikipedia finden Sie weitere Infos zu:
Göran Sahlberg
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